Wo alles begann
1950 war die Bundesrepublik Deutschland gerade einmal wenige Monate alt. Wesel trug noch deutlich die Spuren des Krieges, überall wurde aufgebaut, repariert und neu begonnen. Gerade in dieser Zeit entstand in der Feldmark etwas, das den Menschen ein Stück Leichtigkeit zurückgab: der Karneval.
In der Pfarrgemeinde Herz Jesu Wesel-Feldmark wurde wieder öffentlich gefeiert. Zunächst waren es kirchliche Vereine und eine namenlose, aber sehr aktive Gemeinschaft, die Sitzungen organisierte. Man wählte einen Elferrat und einen Präsidenten – anfangs jeweils nur für eine Session. Einen festen Vereinsnamen gab es noch nicht. Aber der Gedanke, aus dem später das Feldmarker Karnevals-Komitee entstehen sollte, war bereits da.
Der erste Prinz der Feldmark
Schon ein Jahr nach der ersten öffentlichen Sitzung gab es einen besonderen Meilenstein: Die Feldmark kürte ihren ersten eigenen Prinzen. Heinrich Reginald Anschütz wurde als Prinz Heinrich I. im großen Saal Bauer gefeiert.
Der Wagen für den Rosenmontagszug entstand in Eigenarbeit. Genau darin steckt bereits vieles von dem, was den FKK bis heute ausmacht: Menschen bringen ihre Ideen, ihre Hände und ihre Zeit zusammen – und aus vielen kleinen Beiträgen entsteht am Ende etwas, das eine ganze Stadt sieht.
Der Name FKK und eine neue Struktur
Über zwei Jahrzehnte hatte sich der Feldmarker Karneval entwickelt, bevor 1971 ein entscheidender Schritt folgte. Mit dem Anschluss an den Carnevals-Ausschuß-Wesel gab sich die Gemeinschaft den Namen Feldmarker Karnevals-Komitee – FKK. Ein Vorstand wurde gewählt, eine Satzung aufgestellt und aus der gewachsenen Gemeinschaft wurde eine feste Vereinsstruktur.
Ab 1972 begann das Komitee regelmäßig Wagen für den Weseler Rosenmontagszug zu bauen. Der Wagenbau wurde über die Jahrzehnte zu einer eigenen Tradition – geprägt von Improvisation, handwerklichem Können, Ideenreichtum und vor allem von vielen gemeinsamen Stunden.
Eine Gemeinschaft findet ihren festen Platz
In den siebziger Jahren wuchs das FKK weiter in den Weseler Karneval hinein. Sitzungen, Rosenmontagszug, Vereinsarbeit und der Austausch mit den anderen Gesellschaften wurden immer selbstverständlicher. Aus einer kleinen Feldmarker Tradition war längst ein fester Bestandteil des städtischen Karnevals geworden.
Viele Gesichter, Ämter und Funktionen wechselten – aber die Bereitschaft, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, blieb konstant. Genau diese Kontinuität trägt einen Verein über Jahrzehnte.
Große Sitzungen, Prinzen und neue Höhepunkte
1980 konnte der Feldmarker Karneval bereits auf drei Jahrzehnte Tradition zurückblicken. Aus den ersten improvisierten Sitzungen war ein etablierter Teil des Weseler Karnevals geworden. Prinzenproklamationen, große Elferratssitzungen und die Arbeit hinter den Kulissen prägten diese Jahre.
Gleichzeitig wurde der Wagenbau immer anspruchsvoller. Aus einfachen Aufbauten entstanden fantasievolle Themenwagen. Jeder Wagen erzählte eine eigene kleine Geschichte – und jeder einzelne war das Ergebnis vieler Stunden ehrenamtlicher Arbeit.
Die nächste Generation übernimmt mit
In den neunziger Jahren zeigte sich immer deutlicher, dass die Zukunft des Karnevals im Nachwuchs liegt. Kinder und Jugendliche wurden ein sichtbarer Teil des Vereinslebens. Tanz, Kostüme, gemeinsame Auftritte und das Erleben einer ganzen Session schufen Erinnerungen, die oft ein Leben lang bleiben.
Der FKK blieb dabei nicht stehen. Veranstaltungsorte änderten sich, neue Formate kamen hinzu und immer wieder fanden sich Menschen, die Verantwortung übernahmen. Die Tradition wurde nicht konserviert – sie wurde weitergegeben.
50 Jahre Feldmarker Karneval
Zur Jahrtausendwende konnte die Feldmark auf ein halbes Jahrhundert Karneval zurückblicken. Die Festschrift „50 tolle Jahre“ sammelte Erinnerungen, Protokolle, Zeitungsberichte und Fotos aus fünf Jahrzehnten.
Sie zeigte vor allem eines: Hinter jedem Präsidenten, jedem Wagen, jeder Sitzung und jedem Auftritt standen Menschen. Menschen, die ihre Freizeit eingebracht haben, die gebaut, organisiert, getanzt, geschrieben, gekocht, dekoriert und gefeiert haben. Ohne sie gäbe es diese Geschichte nicht.
77 Jahre – und noch lange nicht fertig
Heute verbindet der FKK seine lange Geschichte mit einem modernen Vereinsleben. Die Grundidee ist dieselbe geblieben: Gemeinschaft schaffen und Karneval in der Feldmark leben. Aber die Formen haben sich weiterentwickelt.
Auch die Art, wie ein Verein arbeitet, ist moderner geworden: eigene Internetseite, Online-Mitgliedsantrag, digitale Kommunikation und eine stärkere öffentliche Präsenz. Doch all das ist nur die neue Form für einen Gedanken, der seit 1950 derselbe geblieben ist.
77 Jahre FKK – eine Geschichte, die weitergeschrieben wird.
Die Menschen von 1950 konnten nicht wissen, was aus ihren ersten Sitzungen einmal entstehen würde. Heute wissen wir: Sie haben etwas geschaffen, das Generationen miteinander verbindet. Und genau deshalb ist diese Geschichte nicht abgeschlossen. Jede Session, jedes neue Mitglied, jedes Kind auf der Bühne und jeder Wagen im Rosenmontagszug fügt ihr ein neues Kapitel hinzu.
Historische Grundlage dieser Erzählung sind die vom FKK bereitgestellten Seiten und Fotografien aus der Festschrift zum Feldmarker Karneval. Bei Bildern ohne zweifelsfrei belegte Zuordnung wurde bewusst auf konkrete Namens- oder Jahresangaben im Bild verzichtet.